Motocross beim 1. RMC Reutlingen Ein nahezu perfektes Renn-Wochenende

Start frei: Auch beim 57. Internationalen Reutlinger ADAC Motocross war es
wichtig, sich schon auf den ersten Metern eine gute Rennposition zu
verschaffen.
© Foto: Grundler

 

Das Dröhnen der Motoren war am Samstag und Sonntag vom RMC-Gelände
„Am Sportpark“ bis in die angrenzenden Wälder und Wohngebiete zu hören.
140 Teilnehmer aus 15 Nationen sorgten für eine Geräuschkulisse, die sich aus
der Ferne wie ein riesiger Bienenschwarm anhörte.
Fleißig wie Bienen indes waren die Mitglieder des 1. RMC Reutlingen, die in
zahlreichen Arbeitsstunden vor Veranstaltungsbeginn dafür sorgten, dass die
Rennfahrer optimale Bedingungen an der Gönninger Landstraße vorfanden und
Pistenverhältnisse, die sogar von höchster Stelle gelobt wurden.
Feuerwehr als Unfallhelfer
„Das waren optimale Verhältnisse, eine insgesamt exzellente Ausrichtung
durch den 1. RMC Reutlingen. Wir tragen jederzeit gerne wieder eine
Europameisterschaft hier aus“, lobte der Däne Peter Hansen, der als
Jury-Präsident des Motorradweltverbands FIM (Fédération Internationale de
Motocyclisme) vor Ort war.
Ihn hatten die Läufe um die Europameisterschaft der Klassen 65 ccm, 85 ccm
und bei den Ladies zum 57. Internationalen Reutlinger ADAC Motocross
gelockt, echte Lokalpatrioten waren auch auf den Ausgang des Zwei-Takt-Cups
gespannt, der ebenfalls ins Reutlinger Motocross-Wochenende integriert war,
aber als Event auf nationaler Ebene daherkam.
Ein großes Thema bei Motorsportereignissen ist immer die Sicherheit sowie,
nach Abschluss der Rennen, die Bilanz von Unfällen und Verunglückten. Hier
konnte RMC-Vorsitzender Michael Saur Entwarnung geben. „Es kam zu
Unfällen mit leichten Verletzungen. Spektakulär war das Missgeschick eines
dänischen Piloten, dessen Fuß sich so in der Kette seiner Maschine
einklemmte, dass er von der Feuerwehr per Bolzenschneider befreit werden
musste. Letztlich aber ist alles glimpflich ausgegangen, niemand musste nach
Rennende im Krankenhaus verweilen.“
Der 57-jährige Saur, nicht nur RMC-Vorsitzender, sondern auch Sportleiter des
ADAC Württemberg und seit Jahren Rennleiter des großen Stuttgarter

ADAC-Supercross in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, durfte mit Genugtuung
feststellen, dass der von ihm selbst eingeleitete Generationswechsel beim 1.
RMC Reutlingen auf einem vielversprechenden Weg ist.
In Person des 26-jährigen RMC-Mitglieds Florian Allrams​eder und des
58-jährigen Thomas Moser (früherer Vorsitzender des MSC Wieslauftal aus
Rudersberg) konnten zwei Motorsport-Enthusiasten als Rennleiter beim 57.
Reutlinger ADAC Motocross gewonnen werden. Auch Allramseder, der Moser
häufig über die Schulter schaute, erledigte seine Aufgabe wie ein alter Hase.
Während der 26-Jährige für die Rennen des vom Niveau zwischen
Baden-Württemberg-Cup und Deutscher Meisterschaft pendelnden
Zwei-Takt-Cups zuständig war, hatte der Rudersberger bei den diversen
EM-Rennen das Sagen.
Ladies aus Übersee
Wer bei EM-Rennen nur an Teilnehmer aus Europa dachte, wurde auf dem
Renngelände „Am Sportpark“ überrascht. Zwei Pilotinnen der Ladies-Rennen
um Europameisterschaftspunkte kamen aus Australien und den USA. „Der
Modus der EM ist als frei zu betrachten, was bedeutet, dass es keine
nationalen Grenzen gibt und im Grunde theoretisch die ganze Welt zwar
mitfahren kann, aber eben Grundlinien und Regeln der EM stets zu beachten
sind“, erklärt Saur.
Allzu viele Sorgen wegen einer diesbezüglichen Verwirrung muss man sich
nicht machen, denn wie schon in unserer gestrigen Ausgabe berichtet, darf sich
weder eine Australierin noch eine Amerikanerin fortan Europameisterin nennen.
Statt dessen behielt eine Deutsche die Oberhand, nämlich Ex-Weltmeisterin
Stephanie Laier aus Dielheim.
EM-Debütanten
„Bei einem Event, in das eine EM eingebunden ist, war ich zuvor auf dem
RMC-Gelände noch nie in dieser Position. Ganz neu war die
Rennleitererfahrung für mich freilich nicht, weil ich schon seit drei Jahren beim
Baden-Württemberg-Cup und der Deutschen Meisterschaft in dieser Mission
unterwegs bin“, erklärt Allrams​eder, dem die Lizenz als EM-Rennleiter noch
fehlt.

Begeistert schaute er zu, als der 13-jährige Luca Röhner (einziger EM-Pilot des
1. RMC Reutlingen) auf Gesamtrang 25 der Klasse 85 ccm fuhr.
Vater stolz auf Sohn
„Lucas Vater war zufrieden, sein Sohn hatte viel Spaß. Sich als Neuling in der
85-ccm-Klasse auf EM-Niveau praktisch im Mittelfeld des Teilnehmerfelds zu
platzieren, ist aller Ehren wert“, lobte Florian Allramseder den Youngster.
Der Zwei-Takt-Cup-Rennleiter selbst erlebte ein „ruhiges Wochenende“, war
überall auf dem Gelände anzutreffen und übernahm die Koordination mit den
Bewässerungsteams und Streckenrichtern, um optimale Pistenverhältnisse zu
schaffen.

 

 

02. Juni 2019, 23:51 Uhr•Reutlingen
Von Alexander Mareis / SWP

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