»Der Druck ist immer groß«

Von Benedikt Last wird erwartet, dass er das Heimspiel beim Reutlinger
Mountainbike-Festival wieder gewinnt

Von Denis Raiser​ 10.05.2019 17:00

Benedikt Last hat im vergangenen Jahr auf dem Panzergelände souverän die
Fourcross-Disziplin gewonnen. FOTO: VEREIN

 

REUTLINGEN. Bevor Benedikt Last am Samstag einen Sieg beim
Mountainbike-Festival ins Visier nehmen kann, steht harte Arbeit auf dem Programm.
Zusammen mit den Veranstaltern des 1. RMC Reutlingen schuftet das lokale
Aushängeschild in der Disziplin Fourcross auf dem Panzergelände in der Nähe des

Kreuzeiche-Stadions im Bikepark des Clubs. »Knapp vier Tage sind wir beschäftigt«,
erzählt der 24-Jährige.

Die Strecke muss abgesteckt, der Untergrund vom Gras befreit und Werbebanner
aufgehängt werden. »Es ist schon Wahnsinn, wie riesengroß das alles hier geworden
ist«, lobt Last den Aufwand, den der 1. RMC betreibt. Zwei Tage Programm (siehe
Infokasten) mit einem hochkarätigen Teilnehmerfeld und großem Rahmenprogramm
werden bei der vierten Auflage des Festivals aufgefahren.

Drei Jahre lang hat Last, WM-Dritter von 2015 und mehrfacher deutscher Meister,
vergeblich versucht, sein Heimrennen zu gewinnen, beim vergangenen Mal konnte er
den Fluch mit einem überlegenen Sieg dann brechen. »Der Druck ist deswegen für mich
aber jetzt kaum geringer geworden. Der ist immer groß«, sagt der Lokalmatador. Jeder
erwartet, dass Last in seinem »Wohnzimmer« den Siegerpokal im Finale am Samstag
(15.45 Uhr) wieder holt. Ob das realistisch ist, kann er vor dem ersten Rennen der
Saison nicht sagen. Er weiß nicht, wie die Konkurrenz in der European-Fourcross-Serie
aus Tschechien, Frankreich oder England drauf ist.

Auch seine eigene Form kann Last nur schwer einschätzen. »Ich hatte in letzter Zeit viel
Stress, weil meine Abschlussarbeit anstand«, erzählt Last, der in Karlsruhe
Maschinenbau studiert. Das Training musste daher ab und an hinten anstehen. Aber
auch jetzt ist der Zeitplan eng getaktet. Vor einiger Zeit hat sich Last selbstständig
gemacht. Der Spitzenfahrer ist in ganz Deutschland unterwegs und organisiert den Bau
von Mountainbike-Strecken für Vereine oder Kommunen.

Last bestreitet damit seinem Lebensunterhalt. Mit dem Fourcross ist das nämlich kaum
möglich. Eine Handvoll Fahrer schafft es, wirklich Geld mit diesem Sport zu verdienen,
erzählt Last. Seit die Disziplin 2011 aus dem Programm des Mountainbike-Weltcups
gestrichen wurde, hat die mediale Aufmerksamkeit stark nachgelassen. Die meisten
Spitzenfahrer sind den Sponsoren in lukrativere Wettbewerbe hinterhergewechselt. Last
nicht.

»Ich mache das Ganze ja nicht wegen des Geldes, sondern weil es mir einfach Spaß
macht«, erklärt Last. Dem Reutlinger gefällt am Fourcross besonders, dass diese
Wettkampfform so »kurz und knackig« ist. Vier Fahrer duellieren sich gleichzeitig auf
einer rund 500 Meter langen, leicht abfällig Strecke. Beim Kampf um die ersten beiden

Plätze, die in den K.o.-Läufen für den Einzug in die nächste Runde erreicht werden
müssen, kann es auch zu Körperkontakt kommen.

»Wenn das Gatter fällt, muss man sofort voll da sein.« Denn die entscheidenden
Szenen spielen sich oft auf der Startgeraden und den ersten Kurven ab. Ein kleiner
Fehler kann schon zu viel sein. Steilkurven, Sprünge und andere Hindernisse machen
den Fourcross vor allem auch für die Zuschauer spektakulär.

Für Last aber mindestens genauso wichtig wie der Adrenalinkick ist »die enge
Gemeinschaft unter den Fahrern«. Auch wenn diese sich auf der Strecke beharken,
gönnt man den anderen Erfolge. Dazu kommt die entspannte Atmosphäre. In Reutlingen
sorgt ein DJ mit lauter Musik für Stimmung. Für richtiges Feestival-Feeling sorgen dann
auch eine After-Race-Party und die Möglichkeit, auf dem Panzergelände zu campen.
(GEA)

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