Kai Haase: Level der Tricks steigt immer weiter

Der Rückwärtssalto gehört fest zum Programm: Freestyler Kai Haase, der auch
Koordinator der Stuttgarter Flug-Show ist. Foto: Baur

Kai Haase ist beim Stuttgarter Supercross der neue Koordinator der Freestyle-Show.
Vier Auftritte statt zwei

STUTTGART. Als er sich am Telefon in Berlin meldete, sagte Kai Haase: »Glück
gehabt. Bin gerade drei Tage hier.« Der Heimat-Besuch war nicht mehr als ein
Stop-Over, denn kurz darauf startete der 28-Jährige nach Übersee. Eigentlich hätte
Chile das Ziel sein sollen, doch aufgrund politischer Unruhen disponierte er kurzfristig
um und zeigte nun in Dubai seine Flug-Akrobatik mit der Moto-Cross-Maschine.

Davor China, Australien – ein Freestyle-Profi auf Achse, Reisen als Dauerzustand,
25 Shows im Jahr.
Und nun nächste Woche Stuttgart (8. /9.November). Die Schleyerhalle ist fast schon
eine zweite Heimat für ihn. Seit 2013 ist der gelernte Zweiradmechaniker fast jedes Jahr
beim ADAC Supercross angetreten. Meist als tollkühner Flug-Künstler, einmal sogar auf
der Rennstrecke. Diesmal hat er eine Doppelrolle: Haase gehört nicht nur zum Quartett,
das zu rockigen Rhythmen seine Tricks in luftiger Höhe unter dem Hallendach zeigt.

»Ich kann mich 100-prozentig auf die Jungs verlassen«

Dazu ist er in Personalunion noch Koordinator der Freestyle-Show – einen Job, den er
von Dennis Garhammer übernommen hat. Der Mössinger, wie Haase ein Mitglied des 1.
RMC Reutlingen, hatte diese Aufgabe bis zum Vorjahr, ehe er sich aus zeitlichen
Gründen zurückzog. Zuvor hatte er aber die Nachfolge geregelt.

»Ich habe Kai gefragt, er hat gleich zugesagt. Einen besseren Experten als ihn gibt es
nicht«, stattet er Haase mit einem satten Paket Vorschusslorbeeren aus. Haase spielt
den Ball zurück. »Dennis ist immer noch involviert.« In Fragen der Besetzung und der
Details der Show würden sie sich austauschen. Garhammer wird zudem vor Ort sein.
Als Insider kann der Mössinger helfen, falls kurzfristig noch organisatorische Fragen
gelöst werden müssen.

Beide waren oft gemeinsam bei Shows im Einsatz. Sie wissen, worauf es beim Freestyle
ankommt. Das hört sich einfacher an, als es ist, denn die Ansprüche steigen. Weil viele
Fans Stamm-Gäste bei den Veranstaltungen sind und schon einiges gesehen haben.
Weil Rückwärts-Salti (»Back Flips«), die vor wenigen Jahren noch die neue, große
Attraktion waren, inzwischen bei den Top-Profis Standard sind. Haase: »Das wird
erwartet. Die Herausforderung ist, noch einen draufzusetzen.« Ideen gibt es viele, aber
sie müssen auch machbar sein. Etwa die Überlegung, statt einer Rampe gleichzeitig
zwei Absprung-Vorrichtungen einzusetzen. »Das ist alles eine Platzfrage«, weiß Haase.
Das Beste und Spektakulärste zu zeigen, ohne ein unkalkulierbares Risiko einzugehen –
das ist die Devise.

Was dieses Jahr noch nicht umgesetzt wird, könnte im nächsten vielleicht schon Realität
werden. »Das Level der Tricks steigt immer weiter«, betont der Sprung-Profi. Nicht nur
Haase, der 2013 im TV-Wettbewerb »Das Supertalent« bis ins Halbfinale kam, hat

Stuttgart-Erfahrung. Allesamt sind Sprung-Künstler am Start, die das Event in der
Schleyerhalle bereits von früheren Auftritten kennen.

Alex Porsing wird zum fünften Mal in der Schleyerhalle bei der Flug-Action zu sehen
sein. Auch Luc Ackermann, der Vizeweltmeister aus Niederdorla (Thüringen), hat hier
schon beeindruckt. Und schließlich Mat Rebeaud, der im Vorjahr mit Sprüngen auf
seinem Elektro-Motorrad begeisterte und erneut auf den E-Antrieb setzen wird. Haase:
»Ich kann mich 100-prozentig auf die Jungs verlassen. Alle geben ihr Bestes. Ich kann
eine richtig fetzige Show versprechen.« Eine Show, die diesmal insgesamt vier Mal zu
sehen sein wird: An jedem der beiden Veranstaltungstage zwei Mal. Eine Neuheit in
Stuttgart, wo bisher die Freestyler immer der letzte Programmpunkt des Abends waren.

»Die Herausforderung ist, noch einen draufzusetzen«

Nun aber treten sie schon nach der Pause erstmals auf und setzen dann später auch
den Schlusspunkt der Veranstaltung. »Nach der Pause soll es einen Push geben, um
wieder reinzukommen«, begründet ADAC-Pressesprecher Reimund Elbe die Änderung
im Ablauf. Haase begrüßt die Ausweitung der Freestyle-Show. »So hat man sich schon
warmgesprungen, bevor der zweite Auftritt kommt«, sagt der Berliner. Auf die neue
»Zugabe« freut er sich schon: »Da hat man ein bisschen mehr zu fahren.« (GEA)

 

Von Frank Pleyer​ 30.10.2019 06:30 / GEA

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