ADAC Motocross in Reutlingen: »In die richtige Richtung«

Vor acht Jahren hat der 1. RMC Reutlingen letztmals einen WM-Lauf ausgerichtet. Nach
dem Umbruch in der sportlichen Führung steigt das sportliche Niveau wieder

Von Denis Raiser​ 24.05.2019 13:00

2017 war die deutsche Frauen-Elite im Motocross zu Gast in Reutlingen, diesmal kommt
die europäische. FOTO: BAUR

REUTLINGEN. Die Formel ist einfach: Je weiter und höher die Sprünge und je lauter
das Motorengeheule, desto mehr Zuschauer lockt eine Motocross-Veranstaltung an.
Bestes Beispiel aus Reutlingen ist das Jahr 1978. 15 000 Zuschauer pilgerten an die
Strecke des 1. RMC Reutlingen als die Motocross-Königsklasse, die Weltmeisterschaft

der 500-Kubik-Maschinen, zu Gast war. »Ich weiß gar nicht, wo die ganzen Leute Platz
gefunden haben«, staunt Michael Saur, Vorsitzender des RMC, noch heute.

Vor acht Jahren hat der Reutlinger Motorsport-Club letztmals einen WM-Lauf
ausgerichtet. Nach wie vor verfolgt der Verein das Ziel, den Motorsportfans der Region
irgendwann einmal wieder internationale Top-Fahrer zu präsentieren, versichert Saur.

Doch in der eigenen Hand hat der 1. RMC das nur bedingt. Einerseits gibt es große
Vereine, die um die hochkarätigen Veranstaltungen buhlen. Der MSC Aichwald lockt
etwa heute noch regelmäßig 15 000 Menschen an. Andererseits hängt es auch von den
internationalen Verbänden ab, welche Veranstalter für die großen Rennen angefragt
werden, erklärt Saur. »So wie wir dieses Mal bei der Europameisterschaft.«

Beim 57. internationalen ADAC Motocross in Reutlingen bekommen die Zuschauer am
Wochenende erstmals drei EM-Läufe auf der Strecke am Sportpark zu sehen: die
Jugend-Klassen 65 und 85 Kubikmeter sowie als Highlight das Frauen-Rennen. »Für
diese EM-Läufe wird sicher nicht jeder gefragt«, meint Saur, »darauf können wir
durchaus stolz sein«. Für ihn ist das ein »großer Schritt in die richtige Richtung«. Auf
mindestens 3 000 Zuschauer insgesamt hofft der RMC-Vorsitzende.

Vor zwei Jahren hat der RMC noch einen anderen Kurs eingeschlagen. Mit Saur und
Michael Garhammer haben zwei »alte Hasen« der Reutlinger Motocross-Veranstaltung
ihre Posten an der Organisations-Spitze abgegeben. Der Club musste sich neu ordnen,
im Jahr darauf fuhr man ein kleineres Programm auf. Mittlerweile sind die Reutlinger
aber »schon ziemlich weit« in Sachen Neuorganisation, wie Saur sagt.

»Es gab eine gute Übergabe«, bestätigt Florian Allramseder, der die Rennleitung von
Saur übernommen hat. Mit dem neuen sportlichen Leiter Thomas Scheu und
Jugendbetreuer Andreas Keim ist »ein starkes Team zusammengewachsen«. Mit jedem
Event werde die Organisation besser, weil die Leute wissen, was sie zu tun haben. Seit
November vergangenen Jahres wird an der Veranstaltung geplant. Die heiße
Vorbereitungsphase, in der bis zu 150 Leute auf dem Gelände gewerkelt haben,
erstreckte sich über die vergangenen drei Wochen. Heute müssen nur noch
Kleinigkeiten an der Strecke gemacht werden, bevor sie abends von den Fahrern für das
Training in Beschlag genommen wird. »Ich bin sehr gespannt auf das Wochenende«,
sagt Allramseder. Eine EM ist auch für ihn Neuland.

Dass es einen Heimsieg zu feiern gibt, ist unwahrscheinlich. Luca Röhner ist in der 85er
Klasse der einzige RMC-Fahrer, der in den EM-Läufen an den Start geht. Der
Zwölfjährige fährt nur das Rennen in Reutlingen mit. Die restlichen vier der Serie nicht.
»Das ist ein riesiger Aufwand, wenn man noch zur Schule geht«, erklärt Allramseder.
Röhner ist in diesem Jahr aus der 65er Klasse aufgestiegen und muss nun erst einmal
testen, wie er sich zurecht findet. In Reutlingen muss er sich gegen 49 andere Fahrer
behaupten. (GEA)

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